05 | 09 | 2010
Dorfgeschichte
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Aus der Geschichte von Patersberg

Das Dorf Patersberg liegt auf einem lang gestreckten Bergrücken hoch über dem Rheintal von St. Goar und St. Goarshausen, eng begrenzt von den Tälern des Forst- und Hasenbachs. Mit seinen Ausblicken zur Loreley, den Burgen Katz, Maus und Rheinfels besitzt der Ort seit zwei Jh. weltbekannte Motive inmitten des UNESCO Welterbes „Oberes Mittelrheintal“.

Mit 16 weiteren Gemeinden des Rhein-Lahn-Kreises zählt heute Patersberg zur Verbandsgemeinde Loreley mit Sitz in St. Goarshausen.
Als „Rotweindorf Patersberg“ war der Ort noch bis Ende des 20. Jh. weithin bekannt. Auf seinen klimatisch besonders begünstigten Hängen wuchs der Spätburgunder, der in scharfer Konkurrenz zum „Assmanshäuser Roten“ stand. Die hohen Arbeitskosten der Steillagen führten bis auf einen Nebenerwerbsbetrieb zur Aufgabe des Weinbaus.
Kelten dürften als erste durch eine Furt im Rhein den Weg über den Hasenberg hinauf nach Patersberg gefunden haben, um an dieser für sie strategisch wichtigen Stelle sesshaft zu werden. Ihre Siedlung befestigten sie gegen Angreifer mit einem Wallgraben, der mit der „Klopper- und der Wasserpforte“ nur zwei Zu- und Ausgänge hatte.
Auf die Spuren der Kelten setzten sich später Ubier, Chatten, Römer, Alemannen, Germanen, Franken. Diesen Völker- und Heerscharen folgten die Kaufleute auf ihrem Weg von West nach Ost und umgekehrt. Sie alle beanspruchten den Vorspann der Patersberger Hauderer bis zum Jahre 1850, um vom Rhein her mit ihren Gefährten zum Taunus aufzusteigen.
Karl der Große gründete im 8. Jh. unter anderen deutschen Gauen den Einrichgau. Patersberg wird erstmals 1061 urkundlich erwähnt. Herrscher der Patersberger waren die Gaugrafen von Arnstein, von Isenburg und bis zum 15. Jh. die Grafen von Katzenelnbogen. Diese ließen von ihren Vasallen unter anderen die Burgen Katz, Rheinfels und Reichenberg erbauen, deren wechselvolle Geschichte auch die Geschicke von Patersberg in den folgenden Jahrhunderten mitbestimmte. Immer wieder wurde das Dorf zum Aufmarschgebiet für Truppen, die die Burgen Katz und Rheinfels beschützen, ein andermal vom Plateau der „Batterie“ aus mit Geschützen angreifen sollten. Nach dem Aussterben des Geschlechts derer von Katzenelnbogen kam Patersberg 1479 zu Hessen-Kassel.

Die Reformation erreichte 1550 Patersberg. Seine Bürger sind seit dieser Zeit bis heute überwiegend Lutheraner. Ab 1632 hinterließ der 30jährige Krieg auch in Patersberg seine Spuren. Die Bewohner der umliegenden Gemeinden flohen in Scharen vor den marodierenden feindlichen Truppen hinter den gesicherten Wallgraben und in die Wehrkirche von Patersberg. Das Dorf selbst blieb vor Zerstörungen bewahrt, so dass einige Fachwerkhäuser, die nach dem Brand von 1584 erbaut wurden, heute noch zum malerischen Ortsbild beitragen.

Die Pest machte allerdings nicht vor den Toren von Patersberg Halt. 1635 verzeichnete das Kirchenbuch allein von Juni bis Dezember 369 Pesttote.

Nach dem Krieg regierten bis zum Ende des 18. Jhs. die Landgrafen von Hessen-Rheinfels-Rotenburg und Hessen-Kassel. Unter dem Kommando der Franzosen mussten Patersberger wieder Geschütze auf der „Batterie“ in Stellung bringen, doch Katz und Rheinfels ergaben sich widerstandslos den Franzosen, die den Rhein zur Grenze machten, bis Anfang des 19.Jhs das napoleonische Reich zerbrach. Der letzte der von 1815-1866 regierenden Herzöge von Nassau verkaufte Nassau an Preußen für 8,5 Millionen Taler.

Die zu Beginn des 19. Jh. einsetzende Industrialisierung hinterließ ihre Spuren auch in Patersberg. Der damit verbunden Bau von Strassen und Eisenbahnen entlang der Flussläufe veränderte die Verkehrslage für Patersberg grundlegend: der bis dahin durch den Ort fließende Verkehr ging künftig an ihm vorbei.

Der Versailler Vertrag brachte uns von 1919 bis 1929 französische Besatzungen. Das gleiche Geschick ereilte Patersberg nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs.

Heute ist Patersberg mit seinen rund 500 Einwohnern ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort. Auf den spöttichen Spruch „in Patersberch iss alles zwerch, sogoar de Gickel uff de Kerch“ antworten die Patersberger mit ihrem Heimatlied: „ wenn die Leit draus aach mehne bei uus wer alles zwerch, jo die duhn jo net kenne uuser Dorf uffem Berch“.