19 | 05 | 2012

Die Geschichte der Kirche von Patersberg


Wann die Kirche von Patersberg entstanden ist, und wer sie erbaut hat, ist gänzlich unbekannt. Die Alten verlegten ihre Erbauung in graue Vorzeit und wussten eine temperamentvolle Legende von ihr zu erzählen.

Nach ihr hatten die Patersberger, die auch in alter Zeit über keine Reichtümer verfügten, für ihren Kirchenbau das nötige Geld beim Teufel selbst geliehen, dem sie vorgeredet hatten, sie wollten ein Wirtshaus bauen. Als aber eines Tages der Teufel diese Wirtshaus besuchen wollte, musste er erkennen, wie sehr man ihn betrogen hatte. Wutschnaubend suchte er das Weite und schleuderte noch einige Felsblöcke gegen den Bau, um ihn zu zerstören. Das ist ihm nicht gelungen, denn der Teufel kann ja einer Kirche nichts anhaben; und die „Teufelsteine“, große Granitblöcke, die, geologisch betrachtet, in unserem Schiefergebirge tatsächlich ein Rätsel bleiben, wurden zu einer Sehenswürdigkeit des Dorfes. – Seitdem treibt der Teufel unsichtbar sein Wesen in Patersberg, stiftet Feindschaft zwischen den Häusern und bringt allerlei Unglück über das Dorf. – Das gegenwärtige Geschlecht glaubt natürlich nicht mehr an solche Geschichten und Sagen der Alten und hat den schönsten und größten der Teufelssteine zerschlagen und für den Wegebau verwandt.

Nach alter Überlieferung soll die Patersberger Kirche auf ihrer Höhe hoch über dem Rheintal, im früheren Mittelalter eine Wallfahrtskirche gewesen sein. Es soll an ihm eine halbe Klerisei - neun Mönche – stationiert gewesen sein zur kirchlichen Versorgung des ganzen Hinterlandes. Sicher bekannt ist aber, dass die Kirche ursprünglich dem heiligen Pankratius geweiht gewesen ist. Aus dieser Tatsache ist auf ein sehr hohes Alter der Kirche zu schließen, da nach Aussagen von Historikern Pankratius als Schutzpatron einer Kirche in Deutschland nur aus dem frühen Mittelalter bekannt ist. Aus dem späten Mittelalter kennt man keine Pankratiuskirche.



Die Kirche selbst verrät auch einiges über die Entstehungszeit. Sie ist nicht auf einmal erbaut worden. Es müssen mindestens zwei, wahrscheinlich aber drei Bauzeiten unterschieden werden. Der jüngste Teil des Bauwerks, bei dem übrigens die sonst zu beachtende Ost-West-Richtung nicht oder jedenfalls sehr schlecht eingehalten worden ist, ist der Turm. Er ist frühgotisch, verrät noch romanisches Raumempfinden und mag in seiner heutigen Gestalt um 1200 entstanden sein. Ein Rätsel bleiben drei romanische Säulen an den oberen Kirchturmfenstern; sie sind bestimmt älter als der Turm und wahrscheinlich von anderswo hierher gebracht und beim Turmbau verwandt worden. Vielleicht darf es sich hier aber auch um die einzigen Reste von einem noch älteren Turm der Kirche handeln. - Die übrige Kirche ist romanisch. Schiff und Chor sind wahrscheinlich keine Einheit. Die Mittelachse von beiden ist keine gerade Linie, sondern hat einen Knick, wo Schiff und Chor zusammenstoßen. Das Schiff ist auch erheblich schmäler als der Chor. Man hat das Schiff wohl dem 12. Jahrhundert zuzuweisen, während der Chor vielleicht schon 1100 gestanden hat, möglicherweise ins 10. Jahrhundert gehört. Denn ein Rätsel bleibt die Gestaltung der Süd-Ost-Seite der Kirche. Die eigenartigen Mauervorsprünge, Rundbögen usw. legen den Gedanken nahe, dass hier ursprünglich noch ein anderes kirchliches Bauwerk, mit der ursprünglichen Chorkirche verwachsen, gestanden hat – ein Kloster vielleicht, so dass die Überlieferung von der halben Klerisei tatsächlich einen geschichtlichen Kern haben könnte und nicht nur als die phantasiereiche Ausschmückung einer falschen Etymologie des Dorfnamens „Patersberg“ zu betrachten wäre.

Einige Rundbogenfriese im Mauerwerk der Kirche unterstreichen den einfachen romanischen Charakter des Baus. Übrigens ist das Gemäuer außerordentlich stark, bis zu einem Meter, und wiewohl die Wände keineswegs lotrecht stehen, sondern so geneigt, dass das bloße Auge dies zu erkennen können meint, macht der Bau den Eindruck, als ob er für alle Zeiten gebaut sei.

Vielleicht hat die Kirche auch einmal Verteidigungszwecken gedient, denn Patersberg war ja bis ins 18. Jahrhundert befestigt; der Turm zeugt heute noch mehrere Schießscharten. Auch das Schiff hat früher mehr kleine Fenster (oder mindestens Nischen) gehabt als heute. Das untere Geschoß des Turmes ist durch ein Kreuzgewölbe gedeckt.

Es sei noch gesagt, dass sich am Fuße des Turmes, hinter dem Eingang zum Schiff rechts, der Renaissancegrabstein eines Reinhard Wiederholdt Kellers von Reichenberg befindet, der 1590 vermutlich infolge eines Unglücksfalles, gestorben ist. Dieser Grabstein muss, wie die Bearbeitung verrät, schon vorher als Grabstein gedient haben, also weit älter sein.

Der Vollständigkeit halber sei noch folgendes nachzutragen:

1584 traf ein Blitzschlag die Kirche. Mit ihm wurde damals das ganze Dorf ein Raub der Flammen.

1635 war die Kirche Zeuge der Pest im Dorf, wo viele Flüchtlinge der Umgegend Zuflucht gesucht hatten. Dreihundertundneunundsechzig Tote waren zu beklagen.

1890 Erneuter Blitzeinschlag in den Kirchturm. Es gelang damals, den Brand auf den Turmhelm zu beschränken; auch die Turmuhr wurde vernichtet. Sie wurde danach nicht mehr wieder erneuert.
1940/41 Der gesamte Verputz der Kirche sowie die Beschieferung des Turmhelms wurden gründlich ausgebessert bzw. erneuert. Der Wetterhahn konnte, wegen fehlender Geldmittel für ein dafür geeignetes Gerüst, zu diesem Zeitpunkt nicht wieder beweglich gemacht werden.

1970 Am 6. September 1970 wird nach 3jähriger Renovierung die Kirche feierlich eingeweiht.

- die wertvolle barocke Orgel wurde gründlich überholt und erhielt einen zusätzlichen Subbaß,
- eine moderne Warmluftheizung wurde installiert,
- die Südseite des Kirchendachs erhielt eine neue Beschieferung und im Inneren der Kirche waren Holzsanierungsarbeiten erforderlich.

2003 Im Kirchturm hatte man erhebliche Schäden an tragenden Holzbalken festgestellt. Sie mussten ausgetauscht werden. Zugleich erhielt der Turm eine neue Beschieferung und der erst vor 10 Jahren erneuerte Wetterhahn erhielt eine neue Halterung mit Kugel und Kreuz.